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Alles Geld der Welt

Als er die Wagentür öffnet schlägt ihm der schwere Duft ihres Parfums entgegen. Gekünstelt stellt sie ihren hohen Stöckel auf den Asphalt, das lange Bein im Seidenstrumpf. Grazil dreht sie ihre Knie, damit auch der zweite Fuß den Weg aus dem Wagen findet. Sie hält ihm ihre Hand entgegen, möchte, daß er ihr aus dem Wagen hilft. Er betrachtet ihre Fingernägel, frisch manikürt, der Nagellack glänzt im Schein der Laterne. Ihr dauert das alles zu lange und sie macht eine Handbewegung, als wolle sie eine lästige Fliege verjagen.
Er ergreift ihre Hand und hilft ihr aus dem Wagen. Kaum steht sie neben ihm glättet sie auch schon den Rock, der perfekt auf ihren Hüften sitzt. Wie immer beweist sie ihren guten Geschmack. Der Rock ist nicht zu lang, gibt er doch einen reizvollen Anblick auf ihre Beine frei, doch auch nicht zu kurz, so daß es unschicklich erscheinen würde. Alles, von der Handtasche über den Lippenstift bis hin zu den Seidenstümpfen und den Schuhen ist farblich in einem blassen Fliederton aufeinander abgestimmt. Die Haare hat sie kunstvoll hochgesteckt und mit kleinen, perlenbesetzten Spängchen fixiert, welche natürlich exakt zu ihren Ohrringen und ihrer Kette passen. Sie sieht aus, als wäre sie einem Hochglanzmodemagazin entsprungen. Fast schämt er sich seines Warenhaushemdes und der Krawatte von der Stange. Sowieso fühlt er sich neben ihr nicht mehr wirklich wohl.
Zum ersten Mal wird ihm bewußt, wie unterschiedlich sie beide eigentlich sind. War sie schon immer so gewesen? Was war aus dem niedlichen pausbackigen Mädchen geworden, das so herzlich mit ihm gelacht hatte? Diese Gazelle neben ihm, mit den hohen Wangenknochen und dem höflichen, distinguierten Gesichtsausdruck hatte nichts mehr gemein mit der Frau, die vor ein paar Jahren noch leidenschaftlich die Hähnchen mit der Hand gegessen hatte und alles mit einem Bier hinunterspülte.
Jetzt gingen sie nicht mehr einfach zu Freunden oder in Kino. Jetzt mußten es Vernissagen sein oder die Oper. Statt Hähnchen aus der Hand gab es jetzt Kaviar und das Bier wurde durch Champagner und Martini ersetzt. Wenn sie überhaupt etwas zu sich nahm. Meist lehnte sie höflich aber bestimmt jede Nahrung ab und ernährte sich nur noch von Algen und Vitamintabletten. Sie sprach jetzt auch nicht mehr so wie früher, gebildete Menschen sprechen nur Hochdeutsch. Ständig war sie auf Selbstfindungsseminaren und Wohltätigkeitsveranstaltungen. Aber sie hatte sich selbst mehr und mehr verloren und auf die Wohltätigkeitsveranstaltungen ging sie nicht etwa weil sie so großmütig war, sondern weil es eben zum guten Ton gehörte. Sehen und gesehen werden, das war jetzt ihr Motto.
Die Freunde, die sie jetzt hatten, kamen nicht einfach zum Grillen vorbei oder um gemütlich ein Video anzusehen. Man diskutierte über Kunst und Politik und den Hunger in der Dritten Welt. Früher einmal hatten sie darüber nachgedacht, wie ihre Kinder wohl einmal heißen würden. Doch dann hatte sie einen anderen Weg eingeschlagen. Kinder waren laut, sie kosteten Geld und Zeit und verdarben einem die Figur. Und so hatte sie entschieden, daß es in der heutigen Zeit, in der die Welt sowieso schon viel zu überlaufen war, viel vernünftiger wäre, ein Kind in Afrika zu adoptieren – nur 50.- DM im Monat, ein echtes Schnäppchen – statt eigene zu bekommen.
Er erinnerte sich noch, wie sie davon geträumt hatten, sich eine eigene Existenz aufzubauen. Ein Häuschen im Grünen, zwei oder drei Kinder und vielleicht eine eigene Firma, kein Chef mehr, der einem sagte wo’s lang ging. Es schien ihm wie eine Ewigkeit, daß sie zusammen in der Wiese gelegen und die Wolken am Himmel beobachtet hatten und sich vorgestellten, wie es einmal sein würde. Warum hatten sich ihre Wege getrennt? Was war aus ihrer Zukunft geworden? Damals, mit 18, kurz vor dem Schulabschluss war doch alles so klar gewesen. Gleich nach dem Abi hatte sie mit dem Biologiestudium begonnen und er hatte sein BWL-Studium durchgezogen. Direkt nach seiner Prüfung waren sie aufs Standesamt gefahren und hatten das Aufgebot bestellt. Alles war perfekt gewesen.
Und dann dieser Samstag. 40 Millionen lagen im Jackpot. Eine wahnsinnige Summe. Sie mußten einfach spielen. „Ihre“ Zahlen sollten ihnen Glück bringen und sie taten den ganzen Samstagnachmittag lang nichts anderes, als sich das „Was-wäre-wenn“ auszumalen. Er arbeitete als Berater in einer Bank und sie hatte gerade promoviert. Die Wohnung, in der sie lebten, war klein und hatte dringend eine Renovierung nötig. Die Möbel, zum größten Teil Geschenke zur Hochzeit, waren spärlich und sie träumten schon lange von richtig ausgiebigem Urlaub. Nachgeholte Flitterwochen sozusagen. Und so saßen sie gemeinsam vor dem Fernseher und hielten sich an den Händen, den Lottoschein vor sich auf dem Tisch.
Das alles war vor fünf Jahren passiert. Sie waren in die Geschichte eingegangen, als diejenigen, die den höchsten Jackpot aller Zeit alleine geknackt hatten. Sie hatten sich nicht nur ein Haus gekauft und waren nicht nur einmal in Urlaub gefahren seitdem.
Sie hakt sich bei ihm ein und lässt sich von ihm über den Gehsteig zur Galerie führen. Sein Blick streift eine Gestalt, die auf der Parkbank neben dem Eingang sitzt. Ein Mädchen, vielleicht 20 mit Jeans und T-Shirt und einem Kinderwagen vor sich stehend. Es fröstelt ihn und der Druck auf seiner Brust wird immer stärker. Er blickt auf die Fremde an seiner Seite und schüttelt den Kopf. Heiße Tränen laufen über seine Wangen. Er atmet tief durch und befreit sich von der Frau, die mit ihm nur noch einen längst vergessenen Traum teilt. Glück – das wird ihm plötzlich klar – kann man auch für alles Geld der Welt nicht kaufen. Mit diesem Gedanken dreht er sich um und geht in die Nacht davon, in der Hoffnung auf einen besseren Morgen.
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Der Junge

Mein Name ist Arora. Ich habe lange gebraucht, um diese Geschichte zu verdauen. Es fällt mir immer noch sehr schwer, daran zu denken. Aber ich muß endlich diese Schuld loswerden und darum schreibe ich jetzt auf, was damals geschah.

Ich war 17 und ging in die elfte Klasse des örtlichen Gymnasiums. Die meisten meiner Mitschüler hielten mich für sonderbar oder eingebildet, da ich bei ihren Treffen nie dabei war und mich in meiner Freizeit mit Leuten beschäftigte, die dem Durchschnitt nicht ganz entsprachen. Es waren Waver und Grufties und auch wenn ich es nicht schaffte, mich ihnen äußerlich anzupassen, so war ich doch ganz gewiß in meinem Innern eine von ihnen.

In meiner Klasse war ich nur deshalb noch nicht zum absoluten Außenseiter mutiert, weil ich überall meine Augen und Ohren und darüber hinaus einen sechsten Sinn für Skandale hatte. So kam jeder, der etwas neues wissen wollte oder Neuigkeiten hatte, direkt zu mir. Und ich versorgte alle mit dem neusten Klatsch und Tratsch. Meist stellte ich nur Vermutungen an und verkaufte diese als Wahrheit. Doch zu meinem Erstaunen erwiesen sich alle meine Geschichten im nachhinein als wahr.

Dann lernte ich ihn kennen. Er war schon 20 und hatte es nicht so mit der Schule. Nicht, dass er nicht intelligent genug gewesen wäre, aber es war einfach nicht sein Ding, sich an Regeln zu halten. Vorschriften wurden von ihm immer umgangen, er tat stets das Gegenteil von dem, was von ihm erwartet wurde. Alle Mädchen flogen auf ihn. Er war ja so cool und darüber hinaus sah er wirklich gut aus. Muskulöser Körper, braune Haut, seine braunen Haare fielen ihm locker in die Stirn, darunter die blauen Augen, die immer etwas mystisches ausstrahlten.

Alle wollten ihn, also schrieb ich ihn ab. So jemanden konnte ich nicht nur nicht bekommen, so einen wollte ich auch nicht. Das jedenfalls redete ich mir mit ziemlichem Erfolg ein. Dabei war er eigentlich genau mein Ding. Mal abgesehen vom Aussehen, das mich wirklich nur peripher tangierte, war ich wirklich angetan von seiner Ausstrahlung. Nein, nicht Ausstrahlung, Aura. Es umgab ihn etwas, was mir Gänsehaut verursachte. Dabei war er, verglichen mit unseren tollen Typen aus der Klasse ein richtiges Weichei. Er schrieb Gedichte, rauchte nicht, trank kaum, saß stundenlang auf dem Hügel neben der Schule, blickte übers Feld und dachte nach, philosophierte.

Doch er hatte Karma. Er strahlte Selbstbewußtsein aus. Er ruhte in sich selbst und machte sich keine Gedanken um irgendwelche spießigen Kleinigkeiten. Immer öfter trafen wir uns zufällig. Er hatte das gleiche Faible für ruhige, abgelegene Stellen wie ich und so kam es, dass meine Lieblingsplätze auch zu seinen wurden. Anfangs störte mich das etwas und ich versuchte, ihm aus dem Weg zu gehen. Dann, eines nachmittags im Sommer, ich war an diesem Tag von der Welt frustriert, kam er in mein Versteck auf der wilden Wiese. Er setzte sich zu mir und wir redeten bis weit in die Nacht. Zuerst nur über allgemeine Dinge wie die Schule, unsere spießigen Eltern, dann über unsere Pläne für die Zukunft und über unsere Gefühle.

Ich fühlte mich wohl bei ihm. Ich weiß nicht wieso, aber ich vertraute ihm. Mit keinem Menschen hatte ich vorher so sprechen können. Keiner hatte bis zu diesem Tag verstanden, was ich dachte. Und jetzt saß ich da mit einem Menschen, dem es genauso ging, wie mir. Der genau das gleiche fühlte und dachte wie ich.

Von da an trafen wir uns regelmäßig. Lasen uns gegenseitig unsere Gedichte vor, redeten über Politik und was wir verändern wollten. Und manchmal saßen wir auch einfach nur da und betrachteten gemeinsam, wie die Welt sich drehte. Ich glaube, so etwas, wie das was zwischen uns war, findet man nur einmal in seinem Leben. Er war meine zweite Hälfte. Er vervollständigte mich. Er erfüllte mich mit Hoffnung. Nicht, dass zwischen uns etwas gelaufen wäre. Natürlich nahmen wir uns ab und zu in den Arm oder hielten Händchen. Aber das waren nur Gesten der Verbundenheit.

Wir liebten uns, doch nicht auf körperlicher Basis, wir waren Seelenverwandte. Ich weinte mich bei ihm aus und er ließ sich von mir trösten, wenn es ihm schlecht ging. Und das kam immer häufiger vor. Unsere Eltern machten Streß. In der Schule lief es nicht gerade gut und da wir beide sehr ehrgeizige Eltern hatten, wurde daraus immer das Familiendiskussionsthema Nummer eins. Mal abgesehen davon, dass meine Eltern immer mit einem Fuß vor dem Scheidungsrichter standen. Und sein Vater war sehr streng. Er schlug ihn und seine Mutter und es kam immer häufiger vor, dass Martin einfach ausgesperrt wurde und dann ohne Essen und Heizung in der Abstellkammer über der Garage schlafen mußte.

Es war kurz vor Weihnachten und wir hatten Probleme damit, uns zu treffen und zu reden. Alle unsere heimlichen Verstecke waren im Freien und dafür war es jetzt zu kalt. Und man konnte sich auch nicht ständig in irgendeinem Kaufhaus aufhalten, mal ganz davon abgesehen, dass man in den Lokalen gezwungen war, etwas zu konsumieren und wir beide hatten nicht gerade viel Geld. Meine Eltern erlaubten mir nicht ihn zu sehen, denn sie machten ihn für mein schulisches Versagen verantwortlich. So blieb uns nur das kalte Zimmer über der Garage, in der sich außer einer kahlen Glühbirne nur eine abgewetzte alte Couch befand. Nicht mal eine Steckdose gab es. Ich riet Martin, zum Jugendamt zu gehen und dort Hilfe zu beantragen. Doch er hatte Angst, dass seine Mutter dann noch mehr leiden mußte und versuchte, mit der Situation so gut wie möglich umzugehen.

Am 24. Dezember rief er mich morgens an. Er bat mich um ein Treffen, flehte mich an, mich sehen zu dürfen. Ich hatte Angst um ihn, denn er hörte sich sehr schlecht an. Heimlich packte ich ein bißchen Essen und Kerzen in meinen Rucksack und schlich mich dann aus dem Haus. Als ich bei ihm ankam, stockte mir der Atem. Sein Gesicht war blau geschlagen und geschwollen, an seiner Nase klebte noch ein Rest getrocknetes Blut. Mein Herz schnürte sich zusammen, als ich sein Elend sah. Tränen liefen mir über die Wangen, die ich nicht stoppen konnte. Stockend erzählte er mir, dass sein Vater ihn und seine Mutter zur Feier des Tages so richtig hatte verprügeln wollen. Zuerst habe sein Vater nur ihn geschlagen, doch als er sich auch wieder an seiner Mutter vergreifen wollte, habe er nicht mehr an sich halten können und hätte, zum ersten Mal in seinem Leben, zurückgeschlagen.

Sein Vater hatte eine gebrochene Nase kassiert und war wutschnaubend aus dem Haus gerannt. Er hatte Martin mit einer Anzeige wegen Körperverletzung gedroht. So ein Hohn. Schlug seinen Sohn seit Jahren immer mal wieder fast krankenhausreif und jetzt wollte er ihn wegen Körperverletzung anzeigen. Ich konnte nicht fassen, was ich hörte. Martin nahm meine Hände in die seinen und blickte mir tief in die Augen. Er habe die Schnauze voll von dieser Welt. Ich war so dumm. Ich stimmte ihm zu, erzählte ihm, wie sehr auch ich auf so ein Leben verzichten konnte. Schon oft hatten wir über Selbstmord gesprochen. Hatten uns überlegt, wie wir es tun würden. Doch für mich war das immer nur Theorie gewesen. Natürlich hatte ich oft gesagt, dass ich sterben wolle. Aber das war meistens nur so dahergesagt. Wie man halt redet, wenn man jung und frustriert und ein bißchen depressiv veranlagt ist.

Doch das, worüber Martin hier redete, war ernst gemeint. Todernst. Er zeigte mir die Schlaftabletten, die er in den letzten Monaten heimlich bei seiner Mutter geklaut hatte. Und den Whisky, den er seinem Vater aus der Bar gestohlen hatte. Und den Schlauch, der von der Garage unter uns direkt hier ins Zimmer führte. Er hatte alles abgedichtet, so dass keine Luft mehr ins Zimmer kommen konnte. Feierlich fragte er mich, ob ich bereit sei, für den einzig richtigen Schritt. Ich war geschockt. Was sollte ich tun? Was hätte ich tun sollen? Ich versuchte, es ihm auszureden. Doch er sagte, für ihn gäbe es nur diesen Weg, doch es sei leichter für ihn, ihn mit mir zu beschreiten. Blind sagte ich ja und zitterte dabei vor Angst.

Wollte ich wirklich sterben? Ich haßte mein Leben. Doch ich hoffte auf Besserung. Natürlich sah ich meine Zukunft oft in schwarzen Farben. Doch ich sah eine Zukunft für mich. Auf der einen Seite verstand ich genau, was er fühlte. Und ich wollte ihn nicht verlieren. Doch auf der anderen Seite war ich noch nicht bereit, aufzugeben. Dazu hatte ich noch nicht genug gekämpft. Doch Martin war fest entschlossen. Sorgfältig dividierte er die Pillen zwischen uns beiden und stellte den Whiskey bereit. Dann ging er nach unten und startete den Wagen, von dessen Auspuff der Schlauch in sein Zimmer führte. Panik ergriff mich. Es war Weihnachten, ich stand kurz vor meinem achtzehnten Geburtstag, das nächste Schuljahr wäre das letzte für mich. Dann wäre ich frei.

Doch die Freiheit, die Martin vorschwebte, war eine andere. Zärtlich fast legte er die Pillen in meine Hand. Die Entschlossenheit in seinem Blick wich kurz einem erschreckten Blick der Angst, als er selbst die seinen nahm und mit einem ordentlichen Schluck hinunter spülte. Ich konnte ihn nicht allein gehen lassen. Wir waren eins, er gehörte zu mir und ich zu ihm. Langsam und bedächtig schluckte ich jede meiner 33 Pillen. Immer mit einem Schluck Whiskey, der brennend durch meine Kehle lief. Das Atmen fiel mir immer schwerer. Und langsam zeigte sich auch die Wirkung der Pillen. Martin und ich lagen Arm in Arm, fest verschlungen, auf der Couch. Dann wurde ich ohnmächtig.

Das nächste, woran ich mich erinnern kann, ist der Streit zwischen meinen Eltern. Wie meine Mutter meinem Vater vorwirft, er habe Schuld an der Situation. Ich schlug die Augen auf und fand mich in einem Krankenhausbett wieder. Umgeben von Schläuchen und unendlich vielen Monitoren und elektrischen Geräten. Der Schlauch in meinem Mund hinderte mich am Sprechen und so konnte ich nur röchelnd auf mich aufmerksam machen.

Mit stockender Stimme erzählte mir meine Mutter von meiner Rettung. Martins Mutter hatte den laufenden Wagen in der Garage bemerkt. Sofort hatte sie ihn abgeschaltet und versucht, die Tür zu Martins Zimmer zu öffnen. Als ihr das mißlang, hätte sie Notarzt und Feuerwehr gerufen. Martin und ich lagen noch immer eng umschlungen auf der Couch. Die Notärzte hatten Probleme, uns zu trennen. Ihm konnten sie nicht mehr helfen. Sein Herz war stehengeblieben und er war jetzt an dem Ort, zu dem es ihn hingezogen hatte.

Ich hatte mich, zu meinem Glück oder Unglück, übergeben, so dass die Schlaftabletten mich zwar betäubt aber nicht getötet hatten. Auf der Fahrt ins Krankenhaus blieb mein Herz zweimal stehen, so sagte man mir, doch die Wiederbelebungsversuche waren erfolgreich. Und nach elf Tagen Bewußtlosigkeit wußten meine Eltern jetzt endlich, dass ich leben würde. Und dass ich gesund werden würde.

Das alles war vor zehn Jahren. Nach meinem Krankenhausaufenthalt mußte ich ein halbes Jahr in der geschlossenen Abteilung einer Rehabilitationsklinik verbringen. Dort lernte ich, wieder zu leben und versuchte, die Schäden, die ich an meinem Nervensystem angerichtet hatte, zu beseitigen. Heute bin ich gesund. Und ich helfe anderen Jugendlichen, nicht den gleichen Fehler zu begehen. Martin kann und will ich nicht vergessen. Er wird immer ein Teil von mir sein. Und jedesmal, wenn ein Junge vor mir sitzt und mir von seinen Problemen erzählt, dann denke ich an ihn und hoffe, dass es ihm da, wo er jetzt ist, besser geht.
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Glück

Ein Mann steht auf einem Hügel. Neben ihm ein Pferd. Der Mann blickt in die Ferne, wo am Horizont die Sonne aufgeht. Das Pferd beugt den geschmeidigen Hals und fängt an, die Grashalme des Hügels mit seinen Zähnen abzuernten um seinen Hunger zu stillen. Der Mann schließt die Augen. Langsam ziehen sich seine Mundwinkel nach oben. Und dann fängt er an zu lachen. Erst ganz leise. Mehr verhalten. Als könnte er das Glück dadurch zerstören. Doch dann wird es heftiger und ein immer lauter werdendes Lachen verläßt befreit die Brust durch Hals und Mund. Tränen laufen ihm über die Wangen und fallen auf das vom Tau noch feuchte Gras. Das Pferd blickt auf. Sieht den Mann fragend an. Der spürt den Blick des geliebten Gefährten und öffnet die Augen. Dann klatscht er donnernd in die Hände und ruft: „Lauf! Lauf!“

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Hochzeitstanz

Sie drehen und umschreiten sich. Ihr erhabener Gang zeugt von Aristokratie, die Köpfe stolz nach oben. Ihre wunderschönen Kleider leuchten und schillern in jeglicher Farbe, wie in Perlmutt gewandet.

Ihr Verhalten, stets würdevoll, höflich, umschmeicheln die Herren die Damen. Diese recken kokett ihre Hälse, stecken kichernd die Köpfe zusammen. Sieht tiefe Blicke zwischen den Partnern, spürt prickelnde Gefühle zwischen eng umschlungenen Körpern. Der Sonnenuntergang im Hintergrund ist perfekte Kulisse.

Stolzierndes Edelvolk beim wichtigsten Ereignis des Jahres. Herausgeputzt und hergerichtet, alles sitzt makellos, auch der Kopfschmuck. So sieht man sie tanzen, schenkt ihnen bewundernde Blicke. Ihre Erhabenheit läßt die Zuschauer verstummen. Alle Blicke sind nur auf sie gerichtet. Dieses Schauspiel der Natur ist unübertrefflich.

Diese wunderschönen, großartigen Vögel, diese Könige des Strandes. Nur selten kann man Zeuge dieser einmaligen Begebenheit werden, nur einmal im Jahr kann man dieses Schauspiel bewundern, dem Hochzeitsball der Silberreiher. Kann nur ein einziges Mal jährlich diesen wundervollen Geschöpfen bei ihrem Tanz in die Ehe zusehen und sich an ihrer zierlichen aristokratischen Art erfreuen.
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Rhythmus Liebe

Der Himmel hatte die Farbe von Kupfer, durchzogen von lapislazuliblauen Fäden. Die letzten Tropfen liefen wie Perlenschnüre über die Fensterscheibe, um dann an den Grashalmen hängen zu bleiben wie klebriger Nektar.

Sie spürte ihr Herz laut gegen den Brustkorb schlagen, fast so als wolle es sich befreien, um in die Welt hinaus zurufen: ich liebe! Ja, ich liebe. Ich lebe, weil ich liebe. Das wollte ihr Herz rufen, wollte es der Welt mitteilen und es zerbarst fast an der Unglaublichkeit dieser Tatsache. Liebe, wo es sich doch vor diesem Wort und seinen Begleitumständen so sehr gefürchtet hatte. Mauern gebaut hatte, damit keine Liebe, nicht das kleinste Gefühl es erreichen konnte. Und nun war es doch geschehen.

Ein Ritter in goldener Rüstung war dafür nicht nötig gewesen. Eher ein Bettler war es gewesen. Ein frugales Wesen, das da ganz harmlos geklopft hatte und in seiner Unscheinbarkeit arglos durch die Mauern gelassen wurde. Und nun liebte sie. Und konnte das kaum fassen. Sie liebte dieses anfangs so unbedeutend erschienene Wesen mit all ihrer Kraft.

Das kupferne Licht des Himmels verschwand langsam hinter den Bergen und machte Platz für die Nacht, die sich am Himmel mit dem vollen Mond ankündigte. Sie liebte. Es war geschehen. Einfach so, ohne ihr Zutun, ohne die Gelegenheit, rechtzeitig die Abwehrmechanismen in Gang zu setzen, einfach so liebte sie jetzt. Sie konnte sich nicht an den Moment erinnern, an dem es angefangen hatte. Das Gefühl war plötzlich einfach da. Sie wachte auf, sie betrachtete den Himmel und sie liebte. Sie lauschte den ganzen Tag ihrem Herzen und beobachtete, wie sich die Wolken am Himmel zu einem Sommergewitter verabredeten. Sie hörte dem lauten Klopfen zu, das sie eindringlich immer wieder daran erinnerte, dass es liebt. Es war ein kraftvolles Klopfen, gar nicht so zaghaft wie sonst ihr Herz schlug. Es forderte. Es forderte, lebe! Lebe und liebe, denn ich lebe und liebe, also tu du es auch. Das war, was ihr Herz den ganzen Tag im gleichen Rhythmus schlug, während sie zusah, wie der Himmel sich schwärzte und die ersten Blitze am Horizont zu tanzen anfingen.

Sie versuchte, sich zu erinnern. Versuchte sich zu erinnern, wie dieses oft gar nicht so ruhige, aber trotzdem besonnene Wesen Besitz von ihrem Herzen ergriffen hatte. Ergreifen konnte. Einfach so. Während sie, ja, was hatte sie eigentlich in diesem Moment getan, in dem sie bar jeder Vernunft alle Warnsignale ausgeschaltet und sich des Lebens erfreut hatte. Wahrscheinlich hatte sie den Himmel beobachtet. So wie sie es so oft tat. Denn sie liebte den Himmel und sein Farbenspiel. Purpur war er geworden, der Himmel, als die Blitze sich mit lautem Donnern näherten. Sie sog die Energie der Luft in sich auf, die Elektrizität die in ihr lag, ließ ihr die feinen Härchen auf ihren Armen zu Berge stehen. Oder vielleicht war es auch gar nicht die Elektrizität des Sommergewitters, der sich auf die Erde entladenden Blitze. Vielleicht war es die Liebe, die ihr die Härchen zu Berge stehen ließ und ihr diese leichte Gänsehaut bescherte.

Sie wusste es nicht. Sie wusste nur, dass das Gefühl auf einmal da gewesen war. So als hätte es in ihr geschlafen und wäre vom Donnergrollen geweckt worden. Wie es hatte passieren können, dass dieses Wesen einfach an ihrem Argwohn hatte vorbei schleichen können? Unbeschwert war es mit Leichtigkeit über den breiten Graben, der mit giftigen Schlangen und Skorpionen gefüllt war, direkt in ihr Herz geflogen. Ohne die Bewegungsmelder in den Vorhallen der Seele auch nur eine Sekunde lang auf sich aufmerksam zu machen. Einfach so. Als wäre das nichts. Keine Aufgabe, keine Schwierigkeit. Nur ein Schritt und man ist drin. Drin in diesem Herzen, das doch so gut verborgen gelebt hatte.

Und jetzt schlug dieses Herz. Hart und laut und voller Freude schlug es gegen ihre Brust und wiederholte im monotonen Rhythmus immer wieder, ich liebe, ich liebe. Dabei war ihr dieses Gefühl so unbekannt. Woher wusste ihr Herz so genau, was es da für einen Rhythmus zu schlagen hatten? Aber sie hörte in sich hinein und da war kein Zögern und keine Spur der Unsicherheit, nur das monotone ich liebe, ich liebe. Immer wieder. Gleichmäßig, ruhig und laut. Unbeirrbar.

Dann hatte der Regen eingesetzt und sie hatte sich dem Wetter gestellt und ihre Seele rein waschen lassen. Hatte ihr Gesicht zum Himmel gedreht und ihn gebeten: nimm meine Sorgen. Nimm sie fort von mir und wasch mich rein und der Himmel hatte genau das getan. Wie schon so oft, sie waren ein eingespieltes Team. Sie und der Himmel und der Regen und das Seelenwaschen. Und noch immer hatte das Herz laut den Rhythmus geschlagen, ich liebe, hatte sich dem Regen ebenso gestellt wie sie und hatte die Liebe doch nicht von sich abwaschen lassen. Denn es war nichts, was man einfach abwaschen konnte. Denn es war in ihr, in ihrem Herzen, ganz tief drin. Und das war Liebe und das wusste sie jetzt.

Schloss sie die Augen, jetzt wo die Dunkelheit langsam ihre Welt bedeckte und die Tiere der Nacht mit ihrer Arbeit anfingen, dann sah sie das Gesicht, das ihr die Liebe gebracht hatte. Und sie musste lächeln, denn das Gesicht lächelte auch. Hatte sich in ihr Herz gelächelt und das Herz dazu gebracht, diesen Rhythmus zu schlagen. Langsam begann sie sich wohl zu fühlen mit diesem Rhythmus da in ihrem Herzen und jetzt wo der Himmel sich geschwärzt hatte, konnte sie dem Rhythmus eine Melodie unterlegen und begann, diese leise zu summen. Die Melodie der Liebe legte sich auf ihre Lippen und während sie zusah, wie ein Stern nach dem anderen sein Licht anknipste summte sie diese Melodie und ihr Herz klopfte den Rhythmus, ich liebe, ich liebe.

Sie wusste, dass dieses Wesen dem sie diese Melodie verdankte, diesen Rhythmus, bald in ihre Tür treten würde. Und es war so lebendig und brachte soviel Unruhe in ihr Leben und soviel Chaos. Und dafür liebte sie es. Ihr Herz schlug den Rhythmus, weil dieses Wesen sie aus der eingefahrenen Spur gedrängt hatte, dazu gezwungen hatte, Dinge zu überdenken und Neues anzuschaffen während Altes entsorgt wurde. Und sie freute sich, dass sie bald den Geruch des Wesens in der Nase haben dürfte und nicht nur in der Erinnerung und auch bald die Stimme hören könnte und dann wäre wieder Unruhe und Chaos. Und das Wesen würde das Licht anknipsen und die Stimmung der leisen Nacht einfach aus dem Wohnzimmer verjagen, weil jetzt das Leben dran war und nicht die Nacht. Und auch wenn sie die Stille gewohnt war und die Nacht ihre Schwester und sie sich immer noch nicht mit dem Chaos anfreunden konnte, so war sie trotzdem glücklich. Glücklich, weil dieses Wesen einfach allen Hindernissen zum Trotz direkt auf sie zu und in sie rein marschiert war, freimütig und ohne Umwege direkt in ihr Herz und den Rhythmus eingeschaltet hatte.

Sie selbst war immer so vorsichtig, auf alles bedacht gewesen, nur keine Fehler machen, nicht zu laut gehen, nie auffallen, unbemerkt sein. Und nur dann Leben spüren, wenn der Regen kam und sie sich seelenwaschen konnte und ihr Gesicht in den Himmel strecken konnte um einfach so die Tropfen auf der Haut zu spüren. Dann hatte sie gelebt. Den Rest der Zeit hatte sie mit Verstecken verbracht. Mit leise sein. Damit, alles richtig zu machen. Und vor allem damit, jede Sekunde die Mauern zu überprüfen, nach den Skorpionen und Schlangen zu sehen, ob auch alles seine Richtigkeit hatte und dann die Bewegungssensoren untersuchen, damit sie auch im richtigen Moment vor Gefahr warnen könnten. Doch das Wesen hatten sie nicht gesehen. Aber vielleicht war das Wesen ja auch keine Gefahr, es fühlte sich nicht an wie Gefahr. Der Rhythmus fühlte sich nicht an, wie Gefahr. Er schlug nur sein monotones, ich liebe, ich liebe und sie summte die Melodie dazu. Und freute sich darauf, dass gleich die Tür aufgehen würde. Und wieder diese helle Stimme, wieso sitzt du wieder im Dunkeln, und Licht an und dann Chaos. Und darauf freute sie sich und sie konnte es sich nicht erklären, wusste nicht wann und wie es hatte passieren können, doch es war passiert und nun schlug das Herz den Rhythmus, ich liebe.

Sie würde ihr die Haare aus dem Gesicht streichen und atemlos einen Kuss auf den Mund hauchen und dann fragen, ob das Essen fertig wäre, sie hätte ja so einen Hunger und dann würden sie essen und sie würde reden und ihr Mund würde sich bewegen. Und sie würde nur dasitzen und diesem wunderschönen Mund zuhören, der sie eben noch geküsst hatte und der jetzt zwischen den Worten das Essen verschlang. Und sie würde wissen, dass der Rhythmus Recht hatte. Sie liebte. Sie liebte sie. Mit all ihrem Chaos, all ihrer Unzulänglichkeit, allem was sie ausmachte und dafür, dass sie sich einfach so in ihr Herz geschlichen hatte, das sie so gut verschlossen geglaubt hatte.

Die Tür öffnete sich und sie drehte sich um und schaltete das Licht ein, um die Frau, das quirlige Wesen, das ihr Leben so schnell so vollkommen auf den Kopf gestellt hatte, einfach nur ruhig und mit der Melodie Liebe auf den Lippen betrachten zu können.
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Der Teufel

Er ist der Teufel. Der Mann mit den zwei Gesichtern. Das eine blickt verständnisvoll, das andere teuflisch mit dem Schalk im Nacken.

Nicht einordenbare Gefühle für ihn verletzen mein Ego. Was ist es, was mich so an ihm fasziniert und gleichzeitig so abstößt? Wieso nur lass ich mich von ihm in einem Wechselbad der Gefühle baden? Heiß, kalt – mir graut es vor dem nächsten Tag, nie wissend was als nächstes kommt.

Mein Hände zitternd, mein Körper erbebt, die Schmetterlinge in meinem Bauch nehmen soviel Raum ein, dass ich nicht Essen kann. Schlafen fällt mir schwer, werde von unruhigen Träumen geplagt. Mein Herz scheint auf die doppelte Größe gewachsen zu sein und ich habe Angst, dass andere sehen können, wie heftig es pocht. Meine Augen sind rot von den Tränen doch habe ich auch schon lang nicht mehr soviel gelacht. Ich drehe mich im Kreis, den Kopf voller Gedanken um ihn.

Er sieht mir kaltlächelnd dabei zu, wie ich mir selbst das eigene Grab schaufle und trägt mich leichtfüßig auf den Abgrund zu, den ich hinabspringen soll. Doch während seine Hände sagen: spring, spricht seine Stimme andre Worte. Worte der Liebe, der Zuneigung, Worte die mich tief im Innern berühr’n. Worte, deren Klang so lieblich ist, dass sie wie die Stimmen der Sirenen auf mich wirken. Bin wie Odysseus gefangen in seinem teuflischen Spiel.

Er zieht mich zu sich, schiebt mich weg. Lacht mit mir und stößt mir dann den Dolch des Hasses in mein Herz und quält mich mit Gedankenwut. Hat mich erst eingelullt wie die Spinne in ihr Netz und lässt mich nun verhungern. Sterbe den grauenvollen Tod des Ungeliebten, das keiner haben will. Er ist ein Meister dieser Kunst und doch frag ich mich, ist ihm bewusst was er mir antut. Weiß er von der Seelenqual in die er mich getrieben hat oder ist das für ihn nur wieder so ein Spiel? Ein Spiel, bei dem es keine Sieger gibt, weil alle nur verlier’n.

Noch bin ich treu ergeben, doch dieses letzte bisschen Lebenskraft schreit lauter schon nach Hilfe. Dieses grausame Spiel muss nun beendet werden. Mein Herz hat er mir aus dem Körper gerissen, doch nur um es gedankenlos in seiner Sammlung abzulegen. Er hat das Interesse längst verloren, er ist der gelangweilte Kater, der die Maus nur deshalb nicht laufen lässt, weil kein anderer sie haben soll.

Bin sein Besitz doch schenkt er mir nichts von sich zum Ausgleich. Meine Investition ist getan doch hab ich diesmal aufs falsche Pferd gesetzt. War dumm und blind vor Liebe. Nun ernte ich die Früchte meiner Anstrengungen doch sie schmecken bitter und erfüllen mich mit Angst.

Er ist der Teufel, das weiß ich nun. Ein Teufel, der Gefühle manipuliert und gern mit Menschen spielt. Kann ich ihn nicht lassen, bin noch zu sehr gefangen von ihm. Mein Blick wird schwächer und ich weiß, ich werde untergeh’n, doch mein letzter Atemzug wird ihm gehören, ihm allein – weil ich ihn liebe. Trotzdem.
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Meine Freundin ist verliebt

Meine Freundin ist verliebt. Schön, werdet ihr jetzt sagen. Romantisch – denkt ihr jetzt bestimmt. Doch ich teile eure Meinung nicht. Denn der Mann, in den sie sich verliebt hat, ist verheiratet. Gut, werdet ihr jetzt denken, das kann passieren. Wo die Liebe hinfällt, sagt ihr sicher. Liebe lässt sich eben nicht lenken. Ja, ihr habt damit schon recht. Doch seine Frau ist schwanger von ihm und das nicht das erste Mal. Oje, denkt ihr jetzt? Nicht so schön, ist eure Meinung? Ja, langsam fangt ihr an, nachzudenken, ob es wirklich so schön und romantisch ist, das meine Freundin verliebt ist. Aber wartet es ab, denn der Mann, den sie liebt, schlägt seine Frau!
Jetzt kommt ihr ins Grübeln, was? Hättet ihr wohl nicht gedacht, oder? Ihr fragt, ob er sie richtig schlägt? Also, da wollen wir doch mal eines klar stellen: ein Schlag ist ein Schlag, ob jetzt nur eine Ohrfeige oder ein Tritt in den Bauch – es gehört sich nicht und sollte verboten werden. Und außerdem – es sind nicht nur ab und zu ein paar Klapse. Schon fünfmal war sie deswegen im Krankenhaus. Ist sogar schon mal ins Frauenhaus geflüchtet. Ob meine Freundin das weiß? Und ob, sag ich euch, und ob. Und trotzdem – sie rennt mit einer rosaroten Brille auf der Nase durch die Gegend wie ein kleines Mädchen auf Schmetterlingsjagd.
Doch es kommt noch schlimmer. Noch schlimmer, werdet ihr jetzt fragen, wie kann es noch schlimmer werden? Der Mann, über den wir hier schon die ganze Zeit sprechen, er ist ein Drogenhändler und Zuhälter, hat sogar schon seine eigene Frau auf den Strich geschickt. Jetzt seid ihr schockiert, was? Wusste ich doch, dass ich alles noch toppen kann. Jetzt fragt ihr euch sicherlich, ob meine liebe Freundin das wohl auch weiß. Ja, sie weiß es! Nur zu gut sogar, denn sie war schon Kundin – und „Angestellte“. Aber jetzt ist sie verliebt in ihn – und alles ist gut. Drogen nimmt sie schon lange keine mehr – ich bin deswegen sehr stolz auf sie, das könnt ihr mir glauben. Und ihr Geld verdient sie schon lange auf andere Art, der Ausflug in die Horizontale war einmalig und hat ihr wohl für den Rest des Lebens gereicht.
Meine Freundin ist verliebt. In einen Mann, der seine Frau schlägt, der Drogen verkauft und Zuhälter ist. Jetzt fragt ihr euch bestimmt, was seine Frau dazu sagt. Nun, ich denke, ich habe meine Meinung deutlich gesagt: ich finde es furchtbar!
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Gedanken


Er beobachtet sie teilnahmslos über den Rand seiner Zeitung hinweg. Wie sie wieder aussieht! Ungekämmt und immer noch im Nachthemd läuft sie munter von einer Ecke zur anderen. Und tituliert ihn dabei mal wieder mit den peinlichsten Namen: Schnuckiputz, Honigbärchen, Zuckerschnute. Er kann es nicht mehr hören.

Wie konnte er sich nur in diese Frau verlieben? War er überhaupt je in sie verliebt gewesen? Er blickt wieder in seine Zeitung doch seine Gedanken sind nicht bei der Sache. Ihm kommt es vor wie eine Ewigkeit. Daß sie jung waren. Er überlegt, versucht sich zu erinnern, ob sie früher hübsch war. Wie lang hat sie sich schon nicht mehr geschminkt. Ihre Kleider, wie Lumpen sehen sie aus, hängen ausgebeult und farblos an ihr herunter. Ihre Haare, stumpf und formlos ohne jeden Glanz, ohne Form. Und daß sie sich mit dieser Figur überhaupt noch auf die Straße traut. Ihr Hängearsch und ihr Schwabbelbusen - so abstoßend und ekelhaft. Der übliche Samstag-Nachmittag-Beischlaf ist jedesmal eine Überwindung.

Diese Ehe kommt ihm wie ein Gefängnis vor. So spießig, ohne Pepp. Sie haben zwei Kinder, Junge und Mädchen, 12 und 14, seine Frau betätigt sich außerhalb des Hauses nur zum Einkaufen oder im Hausfrauenverein. Ansonsten ist sie nur am putzen und räumen, kochen und Kinder hin und her fahren. Abends wird ferngesehen und am Wochenende trifft man Bekannte. Sein Leben ,so wirkt es, zieht an ihm vorüber ohne daß er daran beteiligt zu sein scheint. 15 Jahre seines Lebens - verschenkt.

Wenn er dagegen an seine schlanke, attraktive und so junge Sekretärin denkt. Diese Ausgeburt der Weiblichkeit, diesen fleischgewordenen Traum schlafloser Nächte. Sonnenbankgebräunte, gepflegte Vorzimmerschönheit...


Sie beobachtet ihn, vorsichtig und mit blasiertem Gesichtsausdruck, über den Rand ihres Stenoblocks. Diesen verschwitzten, bierbäuchigen Mittvierziger, der sie mit seinen Stielaugen schon zum hundertsten mal auszieht. Sie muß fast lachen, weil sie sich vorstellt, wie er ihr hechelnd und sabbernd hinterherrennt.

Was denkt der sich bloß, in seinem karierten Hemd mit Schweißflecken unter den Armen und dem Bild seiner Familie auf dem Tisch. Seine arme Frau, sie sieht noch so jung und fröhlich aus. Sie fragt sich, wie sie es schon so lange mit diesem Trottel ausgehalten hat. Er fühlt sich ja so sexy, dabei stinkt er aus dem Mund wie ein Straßenköter.

Macht ihr ständig Avancen. Als hätte sie mit ihren 26 Jahren nicht wesentlich bessere Angebote. Aber dieser schmierige Kerl denkt, er könne ihr noch was beibringen. Allein schon bei dem Gedanken, ihn nackt zu sehen. Seinen kleinen schlaffen Hintern, seine Bierwampe und seine Storchbeine. Mal ganz abgesehen von..., aber daran zu denken ist wirklich zu widerlich.

Wie konnte sie nur hierher geraten. Ein mittelmäßiger Job bei einem mittelmäßigen Angestellten mit weniger Haaren auf dem Kopf als auf dem Rücken. Ein Möchtegern-Gigolo ohne Talent zum Aufstieg. Mit fast 50 immer noch Mittelklasse, keine Ahnung vom modernen Leben, von den jüngeren Kollegen längst auf der Karriereleiter überholt.

Wenn sie da an den Juniorchef denkt. Diesen sportlichen, braungebrannten, ibizaverwöhnten 32jährigen mit seinen strahlend weißen Zähnen und seinen tiefblauen Augen. Der die Hälfte des Jahres auf seiner Jacht verbringen kann. Diesen knackigen Hintern und diese breiten Schultern....
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Maskerade

Er ist Lehrer. Und das mit Leib und Seele. Seit 27 Jahren unterrichtet er jetzt schon. Erst im Gymnasium, später dann an der Berufsschule.

Mit den Kollegen versteht er sich ganz gut, ist er doch eher der stille, zurückhaltende Typ. Er hält sich gern an Vorschriften. Und er hilft auch gerne mal aus. Zwar hat das dazu geführt, daß die meisten seiner Fächer nicht dem entsprechen, was er mal studiert hat, aber das macht ihm nichts.

Für ihn ist es wichtig, ein guter Lehrer zu sein. Er gibt sich Mühe, den Erwartungen zu entsprechen. Leider hat er nicht immer den richtigen Draht zu seinen Schülern, er ist zu sanft und schafft es oft nicht, sie mitzureißen. Doch er kann nicht aus seiner Haut.

Seine Haut, in die Mutter Natur ihn vor 52 Jahren steckte, gefällt ihm nicht immer. Tagsüber ist er Lehrer, versucht zu vermitteln, was ihn interessiert und was im Lehrplan steht. Doch abends, da erliegt er seiner wahren Neigung.

Sein ganzer Schrank ist voller Frauenkleider. Seinen Schülern hat er erzählt, seine Frau würde am anderen Ende der Welt an einem Forschungsauftrag arbeiten. Auch die Kollegen denken das. In Wahrheit aber hat sie ihn schon vor Jahren verlassen, als sie herausfand, woran ihm wirklich lag. Als sie ihn im Badezimmer ertappte, wo er dabei war, sich ihren Kajal aufzutragen. Und das in ihren Strumpfhosen.

Sie hat einfach wortlos die Koffer gepackt und ist nach Norddeutschland gezogen. Danach hielt ihn zu Hause nichts mehr von seinen Spielen ab. Seinen Verkleidungen, seiner Maskerade. Doch als das bißchen Schminkzeug leer war, das sie hinterlassen hatte, die Strumpfhose nicht mehr zu flicken war, mußte er stoppen.

Zu groß war die Scham. Er hatte Angst davor, Frauenkleider zu kaufen. Und Schminkutensilien, von der Unterwäsche ganz zu schweigen. Es wurde ein depressives Jahr. Erst als er im Krankenhaus aufwachte, angeblich wegen eines Schwächeanfalls, wurde ihm klar, daß es so nicht weitergehen konnte.


Er wußte, das war seine Neigung. Und er war zu jung zum Sterben. Unterdrücken konnte und wollte er es nicht länger. Also begann er nach seiner Entlassung, shoppen zu gehen. Erst ganz vorsichtig. Hier ein Kleid für die Mutter, dort eine Strumpfhose für die ach so vergeßliche Ehefrau. Später dann auch mal einen Lippenstift für die Tochter oder sexy Unterwäsche zum Hochzeitstag. In Sachen Ausreden hat wohl keiner mehr Erfahrung als er.

Jetzt, nach über zehn Jahren, geht er ganz selbstverständlich in Damengeschäfte. Läßt sich manchmal sogar beraten. Und seit fast zwei Jahren traut er sich damit sogar vor die Tür. Durch Zufall lernte er in einem Friseursalon einen anderen Mann mit dem gleichen Hobby kennen. Der zeigte ihm, dem unerfahrenen, schüchternen grauen Maus-Mann, wie schön das Leben sein kann.

Animierte ihn zu gewagten Fummeln und zeigte ihm die In-Schuppen der Stadt. Mit ihm hat ein neues, aufregendes Leben für den ruhigen, ausgeglichenen Lehrer begonnen. Tagsüber braver Lehrer läßt er nicht erahnen, was wirklich in ihm steckt. Doch abends, wenn das Licht ausgeht, dann wird er zur Königin der Nacht.

Schmeißt sich in glitzernde Roben, trägt wallende Perücken und roten Lippenstift. Er hat in seinem Schrank ein Vermögen an Schuhen und sicherlich mehr falsche Wimpern und Fingernägel als so manche seiner Schülerinnen. Darin fühlt er sich wohl. Ist ganz Dame. Knickt auch schon lange nicht mehr mit seinen High-Heels um und macht wirklich eine gute Figur.

Sie haben ihm angeboten aufzutreten und vielleicht wagt er es sogar. Schritt für Schritt in ein neues Leben und vielleicht, irgendwann, kann er sogar vor seinen Kollegen und Schülern dazu stehen.
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Dumm gelaufen

Mühsam öffne ich die Augen. Oh mein Gott! In meinem Kopf sind gerade die Presslufthämmer angeworfen worden. Können die mit ihren Bauarbeiten da drin nicht wenigstens bis zum ersten Kaffee warten?

Gequält drehe ich den Kopf nach links um einen winzigen Blick auf den Wecker zu riskieren. Und plötzlich bin ich hellwach. 08:30 Uhr! Und ich muss um 10 am Flughafen sein. Den Junior abholen. Anderthalb Stunden, nun, wenn ich mich anziehe wie der Wind, aufs Duschen können wir ja später noch zurück kommen, und fahre wie eine gesengte Sau, dann könnte ich am Flughafen vielleicht noch einen Kaffee trinken bevor ich die Ehre habe, die Visage meines Juniorchefs nach Hause zu fahren.

Mutig springe ich aus dem Bett – genau auf das nette Geschenk meiner Katze. Also ab ins Bad, die sterblichen Überreste der Maus von meinen Füßen waschen. Natürlich renne ich mir auf dem Weg dorthin mein Schienbein an den Bücherkartons an, die schon seit Wochen darauf warten, ausgepackt zu werden.

Beim Zähneputzen ramme ich mir dann auch noch die Zahnbürste ins Zahnfleisch – jetzt ist der Tag wirklich gelaufen. Ha! Weit gefehlt. Alle Jeans sind längst überfällig für die Waschmaschine, ich finde keine Socken ohne Belüftungsschlitze und dann reißen auch noch die Haken meines sündhaft teuren, neuen BHs ab! Mir langt’s. Genervt streife ich ein Kleid über – welche Schuhe ziehe ich jetzt nur an – als es auch noch an der Tür klingelt.

„Hermes für Sonnemann – nehme se’s o?“ Klar, wieso nicht. Wenn ich schon keine Zeit habe, kann ich wenigstens die Post für meine geliebten Nachbarn entgegen nehmen. Endlich finde ich ein passabel aussehendes Paar Stoffschuhe und die Reise kann losgehen.

Doch dann der nächste Schock – wir haben mittlerweile viertel nach neun – mein Auto hat einen fetten Platten. In meiner ganzen Wut und Verzweiflung trete ich mit brachialer Gewalt gegen meinen Wagen, was mir einen verstauchten Knöchel und dem Kotflügel eine nicht zu verachtende Delle einbringt. Doch Moment mal. Mein Wagen?! Den wütenden Rufen meines Nachbarn zufolge handelt es sich bei dem misshandelten Kleinod um sein Model.

Schnell mache ich mich vom Acker, immer überlegend wo denn mein Autolein stehen könnte. Und dann fällt es mir wie Schuppen von den Augen – mein armes kleines Töfftöff befindet sich in den Fängen brutaler Entführer! Naja, eigentlich bin ich ja selbst schuld, warum muss ich auch immer im Halteverbot parken. Also schnell ins Haus, ein Taxi rufen, das zu meinem Erstaunen tatsächlich schon nach 10 Minuten vor der Tür steht.

Der Fahrer, meiner Sprache leider nicht mächtig, riecht, als ob er sich nur von Knoblauch und eingelegtem Fisch ernähren würde. Gott sei Dank versteht er wenigstens meine Zeichensprache und endlich – um viertel vor zehn – befinde ich mich auf dem Weg zum Flughafen.

Entspannt lehne ich mich zurück und lausche den Radionachrichten. Und als der Sprecher sagt: „Ich wünsche Ihnen noch einen wunderschönen Samstag.“ fällt es mir wie Schuppen von den Augen. Samstag! Oh nein! Den ganzen Stress umsonst – kommt doch unser Juniorchef erst am Montag aus Thailand zurück.

Kichernd stehe ich am Straßenrand und sehe dem am Horizont entschwindenden Taxi nach. Gut, mein Lachen hat vielleicht wirklich etwas beängstigend Irres an sich gehabt. Aber muss er mich deshalb im Nirgendwo rausschmeißen? Egal, dann laufe ich die 20 km eben nach Hause….
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Unschuld


Er schließt die Augen und erinnert sich:
Wie sein Finger langsam über ihre Haut streichelt. Zeichnet in Gedanken die Konturen ihrer Brüste nach. Ein Lächeln huscht über sein Gesicht bei dem Gedanken an den zarten Flaum auf dem Dreieck zwischen ihren wunderschönen Schenkeln.

Sie, die verbotene Frucht aus Nachbars Garten. Sündige Verführung gerade erblühter Weiblichkeit. Ihre weiche Haut, jungfräulich rein. Wehmütig denkt er an ihr unschuldiges Lächeln.

So jung und doch so reif. Ihre Blicke, stets fordernd, neckend. Er weiß, sie wollte ihn. Sein Verlangen nach ihr war so groß und er war sich sicher, sie fühlte dasselbe. Als sie in sein Haus kam wußte sie doch genau, daß er keine Hilfe beim Kochen brauchte. Auch sie wußte, das war nur ein Vorwand um sie aus elterlicher Obhut zu locken. Hatte sie doch extra für ihn diese sexy Jeans angezogen. Und dieses enge Oberteil, nur eine weitere Aufforderung ihrerseits.

Wieso nur, war sie auf einmal so böse geworden? Er hatte sie doch nur küssen wollen. Aber dieses kleine, unerfahrene Mädchen. Natürlich, das hatte sie ja nicht wissen können. Hatte sie sich doch extra für ihn aufgespart. Vielleicht hätte er sie nicht so grob zurechtweisen sollen. Er war eben kein guter Lehrer. Aber, dachte er bei sich, auch ein guter Lehrer wäre wütend geworden, als sie ihn dann ohrfeigte und zur Tür hinaus rennen wollte. Schließlich hatte auch er eine zweite Chance verdient.

Und daß sie ihn ebenso begehrte, wie er sie, das war doch offensichtlich. Er versuchte ja, geduldig zu sein. Wieso war sie nicht auch ein bißchen geduldiger mit ihm? Er wollte doch nur ihr Bestes. Auch wenn sie sich jetzt ein wenig wehrte konnte er sie nicht einfach gehen lassen. Jetzt war sie unzufrieden mit ihm, da könnte sie ja den Eltern irgend etwas böses über ihn erzählen. Natürlich würde es ihr hinterher leid tun, ihren Mann verraten zu haben. Aber er wußte ja, wie Frauen sind.

Deswegen war es ja auch nur normal, daß er ihr zeigte, wie man seinen Liebhaber behandelt. Sie war schließlich gekommen um zu Lernen. Respekt und uneingeschränkte Ergebenheit, das ist, was Frauen ihren Männern entgegenbringen müssen. Und das wollte er ihr beibringen. Wollte ja nur alles richtig machen. Ein richtiger Mann sein.

Ihre Augen, er erinnert sich. Diese wunderschönen, babyblauen Augen. Die ihn jeden Tag so unschuldig auffordernd angeblickt hatten. Und auf einmal blickten sie so – entsetzt. Er konnte sich nicht erinnern, wieso. Nur der Tränensee, in dem sie schwammen, machte ihm Angst. Und dann war sie auf einmal so still.

Er hatte ihr nicht weh tun wollen. Sie hatten ihn doch dazu aufgefordert. Ihn heiß gemacht. Da erwartete sie doch nicht, daß er plötzlich aufhörte. Nein, das konnte er nicht. Endlich gehörte sie ihm. Alles an ihr. Ihre kleinen festen Brüste, auf einmal gar nicht mehr jungfräulich weiß sondern blau und grün. Wieso nur hatte sie sich so gewehrt? Er hatte ihr doch nur gegeben, nach was sie solange verlangt hatte.

Auch am Hals, erinnerte er sich, waren Spuren seiner Hände zu erkennen. Doch war das nicht nötig gewesen? Hatte er es nicht nur getan, um ihr junges Glück zu schützen? Wenn ihre Eltern sie gehört hätten! Die hätten ihr doch jeden Umgang mit ihm verboten. Das konnte er doch nicht zulassen.

Auf einmal ein schmerzhafter Ruck am kalten Metall um seine Handgelenke. Er öffnet die Augen. Fast wie in Trance schaut er dem Mann neben sich ins Gesicht.

„Hier ist Endstation für dich und das hoffentlich für immer“.



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